Kannst Du Dir etwa
das Interieur eines Raums vorstellen, wo die Heilige Inquisition mit zu jener
Zeit völlig legalen Methoden Geständnisse von Hexen und Zauberer erzwungen hat?
Wenn Du das nicht kannst, solltest Du es auch nicht versuchen. Nerven sind ja
in facto keine Drahtseile. Vielmehr sind sie rissiger Gummi.
Also, eines Tages
in einem Verlies, so düster, dass Du es Dir kaum vorstellen kannst, hatte ein Dominikanermönch
Juan einen ganz normalen Arbeitstag. Die reinste Routine. Eine Hexe überführen.
Das sündhafte Weib war schon auf eine Folterbank gelegt worden, und der treue
Gottesdiener hat gerade vor ihrem Blick sein Inventar ausgebreitet:
stechend-schneidende, rupfend-abknipsende und ausbrennende Dinge im Angebot.
Lauter „st“ und „nd“.
Vielen seinen
Kunden reichte es, nur einen Blick auf diese Arbeitsinstrumente zu werfen, und Schuldbekenntnisse
begannen in Strömen zu fließen. Manchmal mussten die Sünder angehalten werden:
So, so, Teulel´s Kind, verleumde Dich doch nicht. Doch beim Dominikanermönch
menschelt es auch, er will ja ganz normal in der Kühle mit einem Krüglein Wein
unter einem Baum sitzen. Und wenn man den ganzen Tag hindurch von unzähligen Verträgen
mit dem Satan, Entwendungen von der Milch der Nachbarskühe Geheimverehrung von
Waldstümpfen und anderen Unsinn hört, da bleibt letzten Endes keine Zeit übrig,
nicht nur für Wein, sondern auch für ein anständiges Essen. Und so was schadet
ja dem Magen. Eigentlich musste bei jedem Verhör ein Sekretär anwesend sein,
genauso wie zwei Zeugen, bereitwillig zu bestätigen, dass der Beschuldigte alle
ihm zugeschriebene Verbrechen zugegeben hat. Aber Du verstehst es wohl, auch
damals herrschte Kadermangel. Es gab nie genug Zeugen zu jedem Verhör. Und der Sekretär…
In aller Frühe war dieser Säufer schon so voll, dass er nicht mal ein Feder in
der Hand festhalten konnte. Und bei jedem Verhör versuchte er immer wieder aus
der Tintenfass abzutrinken. Pater Juan hatte schon die Nase voll, der Obrigkeit
Rechenschaft über verdorbene Federn und Tinte abzulegen. Deswegen hatte er ein
Kreuz über den Sekretär geschlagen (buchstäblich, als der Letzte bewusstlos
war) und begonnen alle Protokolle selbständig zu führen. Gerade darum wollte
der heilige Pater gar nicht, dass seine Kundschaft sich im Reden übereilte. Und
dann war diese Hexe…
Gemessen an ihrer
Reaktion, musste es ein schwieriges Verhör sein. Die vor ihr ausgelegten
Metallgeräte betrachtete sie ohne eine Spur von Angst, eher mit der Neugierde
eines Naturforschers. Für solche Fälle hatte Pater Juan noch einen Kniff:
ausführlich von Funktion und Wirkungen jedes einzelnen Instruments auf den
lebenden Organismus zu erzählen und dabei Schmerzen auf einer Skala von eins
bis zehn zu bestimmen. In der Regel traten in seine Erzählungen die Zahlen von fünfzehn
bis hundert. Das würde aber das sündhafte Weib kaum beeindrucken. Es ist eindeutig
kein Hasenfuß. Das ist ja unerhört! – es lebt alleine, wandert nachts durch den
Wald, sammelt Kräuter. Man munkelt, ihre Aufgüsse und Umschläge haben in diesem
Winter das ganze Dorf von der Epidemie
geheilt. In diesem Fall ist auch ein Schuldbekenntnis die reinste Förmlichkeit,
es ist sowieso klar: die Hexe selbst hatte durch Zauber Pest über das Dorf gebracht, um durch Heilung
ihre Landsleute von Christus abzuwenden. Und die Tatsache, dass fünf Nachbardörfer
und die Hälfte der naheliegenden Stadt ausgerottet wurden, verstärkt ihre Schuld.
Aber so ein Wesen wird sich aus freien Stücken nicht schuldig bekennen.
Es war schon Zeit
anzufangen. Der Mönch drückte sich seine Kapuze ins Gesicht und begann
langgezogen mit fürchterlich wehmütiger Stimme, als ob er ein Gebet las:
- Gestehst Du,
Maria, dass Du Dich auf den Weg der Ketzerei begeben hast?
- Gestehst Du etwa,
heiliger Vater, dass Du gestern zu viel getrunken hast? –fragte sein Opfer
verärgert Die Hexenstimme war etwas heiser und klang erkältet nach einer Nacht in
dem feuchten Gefängniskeller.
- Wie unterstehst Du Dich, Satans Kind, so frech mit mir zu sprechen? – und er hatte doch gehofft Gewalt zu vermeiden! Pater Juan packte zornig eine Zange.
- Wie unterstehst Du Dich, Satans Kind, so frech mit mir zu sprechen? – und er hatte doch gehofft Gewalt zu vermeiden! Pater Juan packte zornig eine Zange.
- Nichts für
ungut, heiliger Pater, aber Du hast ja eine Fahne! Wetten, dass Dein Kopf wie
eine Glocke ist – gusseisern und es dröhnt darin.
- Das ist also Deine
Hexenzauberei? – zischte Pater Juan, seine Augen vor Zorn verengt und die dünnen
Lippen verzerrt.
- Nein, das ist die Zauberei des Weins, den Du gestern satt getrunken hast. Aber ich sag Dir was: geh und iss ein-zwei Orangen und trink ein bisschen Wein mit Wasser verdünnt. Und wenn es Dir etwas besser geht, iss Rührei mit Speck.
- Nein, das ist die Zauberei des Weins, den Du gestern satt getrunken hast. Aber ich sag Dir was: geh und iss ein-zwei Orangen und trink ein bisschen Wein mit Wasser verdünnt. Und wenn es Dir etwas besser geht, iss Rührei mit Speck.
- Mach mir hier kein
X für ein U vor, Teufelsbrut! Es gibt Zeugen, die gesehen haben, wie Du nachts
alleine durch den Wald spazierst!
- Tja, so ein Verbrechen! Tags verfolgen sie mich ja auf Schritt und Tritt! Trete ich bloß in den Wald ein und da beginnt’s: wozu brauchst Du dieses Kraut, es ist ja giftig, wozu denn der Pilz, willst Du uns etwa alle ermorden? Erklär mal jedem Idioten, dass das Kraut noch den ganzen Tag bei schwächster Hitze gekocht werden muss. Und den Pilz will ich ja gar nicht an eine Speise tun, sondern gegen Fliegen benutzen. Deswegen muss ich nachts ausgehen. Wer hat mich denn angezeigt?
- Tja, so ein Verbrechen! Tags verfolgen sie mich ja auf Schritt und Tritt! Trete ich bloß in den Wald ein und da beginnt’s: wozu brauchst Du dieses Kraut, es ist ja giftig, wozu denn der Pilz, willst Du uns etwa alle ermorden? Erklär mal jedem Idioten, dass das Kraut noch den ganzen Tag bei schwächster Hitze gekocht werden muss. Und den Pilz will ich ja gar nicht an eine Speise tun, sondern gegen Fliegen benutzen. Deswegen muss ich nachts ausgehen. Wer hat mich denn angezeigt?
- Die fromme Miranda hat ihre heilige Pflicht vor unserem Herrgott getan! Sie hat dem Priester bei der Beichte von deinen Freveln berichtet.
- Ein stockdummes Ding ist sie. Möge sie jetzt zum Priester mit ihren Sorgen laufen: ei, Maria, unser Kälbchen krepiert, ei, Maria, mein Jüngster hat wieder Dünnpfiff, ei, Maria, mein Mann verprügelt mich fast bis zum Tode!
- Und was für ein Zauberstein ist das, den Du Miranda gegeben hast? Irgendwelches Teufelsamulett, das den Mann seine Frau nach eigenem Ermessen nicht mehr belehren lässt?
- Das ist ja nur
ein ganz gewöhnlicher Kieselstein, am Flussufer gefunden. Miranda ist ja ein
stockdummes Ding, ich hab das doch schon erwähnt, ihr Gemüt ist aber wie bei
einer Wildstute! Ihr Mann gibt ihr ein Wort – sie ihm zwei, und solche, die ich
vor Dir, Heiliger Vater, nie zu wiederholen wagte. Also habe ich ihr befohlen,
den Stein unter die Zunge zu legen und schön festhalten, bis ihr Mann ausgeredet
hat. Und mit einem Stein im Munde zu streiten ist ja schwer! Und wenn eine Frau
ihrem Mann nicht mehr wiederspricht, wieso soll er dann raufen? Miguel ist kein
schlechter Bursche, nur ein Hitzkopf.
- Wer hat Dir diese Teufelsweisheit beigebracht? Bestimmt war das der Feind der Menschheit höchstpersönlich! Und außerdem, - Pater Juan erinnerte sich an das Hauptargument der Anklage, - mach mir diesen Blödsinn nicht vor! Du bist beschuldigt, die ganze Umgebung behext zu haben! Du hättest einen Pakt mit dem Teufel selbst abgeschlossen, um auf widernatürliche Weise Einwohner Deines Dorfes gesund zu machen und sie von Christi Antlitz abzuwenden.
- Also warum denn
habe ich nur ein Dorf geheilt und nicht alle Menschen? Hätte ich höllische
Kräfte, so könnte ich die Menschheit landesweit heilen, nicht wahr?
- Teufelskraft
ist nicht grenzenlos! – rief der Mönch lautstark aus, - unser Herrgott lässt
den Bösen auf der Erde nicht siegen!
- Soso, warte mal,
also das war unser Herrgott, der all die Menschen in der Umgebung vernichtet
hat? Wie kannst Du, heiliger Pater, sowas sagen? Wenn ich solche Worte gesagt
hätte, müsste ich schon den Scheiterhaufen besteigen! – Sie erhob sich von der Folterbank
soweit es die Lederriemen an ihren Händen zuließen und starrte den Dominikaner
mit ihren dunklen Augen an.
“Da haben wir ein Teufelsgesicht!” dachte Pater Juan und packte an seine treue Zange, „Warte mal, bis ich Dir ein paar Zehen abrupfe, dann bist Du ja nicht mehr so frech!“
“Da haben wir ein Teufelsgesicht!” dachte Pater Juan und packte an seine treue Zange, „Warte mal, bis ich Dir ein paar Zehen abrupfe, dann bist Du ja nicht mehr so frech!“
Die Hexe sah
Pater Juan hartnäckig und böse an, offensichtlich bereit in Pein zu sterben
aber nichts gestehen. Die Spannung war so hoch, sie könnte einen
Elektrolichtbogen erzeugen. Aber zu jenem Zeitpunkt war Elektrizität noch nicht
erfunden, deswegen hat’s mit dem Bogen nicht geklappt. Stattdessen ertönte ein
ekelhaftes Knarren der sich öffnenden Tür und es zog. Pater Juan drehte sich
um. An der Schwelle stand eine riesige Katze. Dickes, langes Haar ließ sie wie eine
große Kugel aussehen, am schwarzen Fell stach weißes Barthaar und ein dünner Bruststreifen
ab. Die grünen Augen waren weit geöffnet um sich an das Halbdunkel zu gewöhnen.
- O-o-o,
Silvester, wie bist Du denn hierher gekommen? – Maria erhob sich so stark, dass
die Lederriemen tief in ihre Haut eindrangen, und schaute ihren Pflegling mit
Vergötterung an.
- Das Ding ist
noch ein Beweis Deiner Schuld! – verkündigte Pater Juan. Der Beweis der Schuld
rieb sich mit seiner linken Wange an dem Türpfeiler und betrat mit hochgehobenem
Schweif die Folterkammer.
- Na, schau ihn mal an, er ist ja schön! Und der Müller wollte ihn ertränken, als er geboren war. Nur wegen der Farbe. Schwarze Katzen bringen Unglück, hat er gesagt.
Silvester kam an den Mönch heran und rieb sich sorgfältig mit dem ganzen Körper von der Wange bis zum Schweif an seine Kutte. Dann fiel er auf die Seite und hob seine Vorderklaue mit langen Krallen hoch. Juan hat inzwischen schon vergessen, dass er eigentlich etwas vom Teufel, seinem Kriecher und der Rolle einer schwarzen Katze in all der Gottlosigkeit sagen wollte.
- Na, schau ihn mal an, er ist ja schön! Und der Müller wollte ihn ertränken, als er geboren war. Nur wegen der Farbe. Schwarze Katzen bringen Unglück, hat er gesagt.
Silvester kam an den Mönch heran und rieb sich sorgfältig mit dem ganzen Körper von der Wange bis zum Schweif an seine Kutte. Dann fiel er auf die Seite und hob seine Vorderklaue mit langen Krallen hoch. Juan hat inzwischen schon vergessen, dass er eigentlich etwas vom Teufel, seinem Kriecher und der Rolle einer schwarzen Katze in all der Gottlosigkeit sagen wollte.
- In der Kindheit
hatte ich auch so eine Katze, nur meine war fuchsrot, - murmelte er sanft, hockte
sich hin und rührte vorsichtig mit seinem Zeigefinger Silvesters Pfote an. Das Tier
zog liebenswürdig seine Krallen hinein und schlug ganz leicht auf Juans Finger.
Maria lächelte.
- Er ist ja so wohlerzogen, würde nie jemanden kratzen. Und wie er Mäuse fängt, da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich! Wer wird sich um ihn kümmern, nachdem ich verschieden bin. Gott erbarme Dich, dass das arme Ding noch ermordet wird!
- Er ist ja so wohlerzogen, würde nie jemanden kratzen. Und wie er Mäuse fängt, da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich! Wer wird sich um ihn kümmern, nachdem ich verschieden bin. Gott erbarme Dich, dass das arme Ding noch ermordet wird!
Der Kater
zerzauste sein Barthaar, fegte mit dem Schweif Staub vom Boden und in
gespielter Wut biss Juan an seine Hand. Juan hatte inzwischen die Hexe
vergessen und war in seine Kindheitserinnerungen tief versunken:
- Genau so habe
ich mit Amarelo gespielt. Und noch musste er ein Zweiglein fangen und ich von
ihm weglaufen.
- Silvester hat
dieses Spiel auch sehr gern.
- Und nachts hat er bei mir am Fußende geschlafen. Mama hat mich jedes Mal geschimpft, wenn sie mich den Kater ins Bett mitnehmen sah, also musste ich ihn unter meiner Decke verstecken, damit niemand ihn sehen konnte.
- Silvester mag am Kopfende schlafen, neben dem Kissen. Aber weißt Du, morgens, besonders wenn er Hunger hat oder dringend nach draußen muss, kann er Dich mit der Pfote an die Nase berühren. Aber keine Krallen, damit war er unter uns sehr streng.
- Amarelo hat auch… - begann schon Juan und verstummte, in Erinnerungen aufgegangen. Seine Kapuze rutschte hinunter und Maria sah eine sentimentale Träne an der Inquisitorenwange herunterlaufen.
- Hör mal zu, - begann die Hexe, - vielleicht könntest Du Silvester zu Dir nehmen? Wie steht’s damit bei euch? Er ist natürlich etwas verwöhnt, ich hab ihm ja Sahne und manchmal auch Schweinbraten zu essen gegeben, aber zur Not kann er auch von Mäusen und Wasser leben.
Pater Juan schüttelte seinen Kopf. Eine schwarze Katze in einem Kloster? Auf der Höhe der Inquisition? Es ist kaum möglich. Silvester hatte sich inzwischen satt gespielt, setzte sich neben den Herd und begann fleißig und sorgsam seine Hinterpfote ablecken.
- Weißt Du, - gab die Hexe zu, - ich denke immer wieder, wenn eine Katze ihre Pfoten ableckt, da müssen alle Fehden und Kriege aufhören.
Der Dominikanermönch kam an die Folterbank heran und machte die Lederriemen entschlossen los. Er zog Maria vom Brettergerüst und stellte sie auf den Boden. Dann kramte er auf dem Utensilientischlein herum und fischte eine saubere Kutte heraus, die da für den Fall lag, dass ein Kunde mit seinem diabolischen Blut im Laufe des Verhörs das Ermittlergewand verdirbt. Er stülpte die saubere Kutte auf die Hexe und begann mit Anweisungen:
- Und nachts hat er bei mir am Fußende geschlafen. Mama hat mich jedes Mal geschimpft, wenn sie mich den Kater ins Bett mitnehmen sah, also musste ich ihn unter meiner Decke verstecken, damit niemand ihn sehen konnte.
- Silvester mag am Kopfende schlafen, neben dem Kissen. Aber weißt Du, morgens, besonders wenn er Hunger hat oder dringend nach draußen muss, kann er Dich mit der Pfote an die Nase berühren. Aber keine Krallen, damit war er unter uns sehr streng.
- Amarelo hat auch… - begann schon Juan und verstummte, in Erinnerungen aufgegangen. Seine Kapuze rutschte hinunter und Maria sah eine sentimentale Träne an der Inquisitorenwange herunterlaufen.
- Hör mal zu, - begann die Hexe, - vielleicht könntest Du Silvester zu Dir nehmen? Wie steht’s damit bei euch? Er ist natürlich etwas verwöhnt, ich hab ihm ja Sahne und manchmal auch Schweinbraten zu essen gegeben, aber zur Not kann er auch von Mäusen und Wasser leben.
Pater Juan schüttelte seinen Kopf. Eine schwarze Katze in einem Kloster? Auf der Höhe der Inquisition? Es ist kaum möglich. Silvester hatte sich inzwischen satt gespielt, setzte sich neben den Herd und begann fleißig und sorgsam seine Hinterpfote ablecken.
- Weißt Du, - gab die Hexe zu, - ich denke immer wieder, wenn eine Katze ihre Pfoten ableckt, da müssen alle Fehden und Kriege aufhören.
Der Dominikanermönch kam an die Folterbank heran und machte die Lederriemen entschlossen los. Er zog Maria vom Brettergerüst und stellte sie auf den Boden. Dann kramte er auf dem Utensilientischlein herum und fischte eine saubere Kutte heraus, die da für den Fall lag, dass ein Kunde mit seinem diabolischen Blut im Laufe des Verhörs das Ermittlergewand verdirbt. Er stülpte die saubere Kutte auf die Hexe und begann mit Anweisungen:
- Jetzt gehst Du hinter die Tür und gehst gerade nach rechts. Gehst bis zur
Ecke, da siehst Du Stufen. Steige sieben Stufen, nicht weiter. Dann geh in ein
kleines Türchen hinein, dann bis zum Ende des Korridors, da gibt‘s einen
Ausgang zum Hinterhof. Die Arbeiter sehen immer hinweg. Geh zum Tor, dann durch
die Felder zum Wald. Und komm nie mehr wieder in die Quere der Heiligen
Inquisition.
- Und was wird
mit ihm? – Maria wies mit ihrem Kopf auf Silvester, der gerade mit der Waschung
seiner Hinterpfote fertig wurde und begann selbstvergessen eine Vordere abzulecken.
Bald hielt er an und dachte nach, ob es schon genug wäre, bald kehrte er zu
seiner Beschäftigung mit doppeltem Eifer zurück.
- Mach Dir keine Sorgen
darum, so Gott will winden wir uns heraus, - antwortete Juan. Er stieß die
Gestalt in der Kutte durch die Tür hinaus, nahm den Rosenkranz aus der Tasche
und begann automatisch ein Gebet zu murmeln ohne seinen Blick von Silvester
abzuwenden. Die Katze hatte sich ein bisschen an der Stelle gedreht, rollte
sich zu einer dichten Pelzkugel zusammen und schlief ein.
- Die Hexe ist abgehauen
und vorher hatte sie Dich auch noch behext? Das ist ja unerhört! – die Obrigkeit,
wie erwartet, war außer sich vor Wut. Und einigermaßen außer sich vor Angst, da
bald eine nichtplanmäßige Inspektion erwartet wurde, und da so ein Zwischenfall.
- Sie hat sich einfach in Luft aufgelöst, - jammerte Pater Juan, immer noch kniend. In dem vergangenen Morgen waren seine Beine schon eingeschlafen, aber der Heilige Vater hatte mit Recht entschieden, dass je niedriger ein Kopf geneigt ist, desto schwieriger ist es ihn abzuschlagen. Und für mehr Sicherheit machte er von Zeit zu Zeit Kniebeugen.
- Sie hat sich einfach in Luft aufgelöst, - jammerte Pater Juan, immer noch kniend. In dem vergangenen Morgen waren seine Beine schon eingeschlafen, aber der Heilige Vater hatte mit Recht entschieden, dass je niedriger ein Kopf geneigt ist, desto schwieriger ist es ihn abzuschlagen. Und für mehr Sicherheit machte er von Zeit zu Zeit Kniebeugen.
- Durch die
gesperrte Tür ist ihr schwarzer Kater reingegangen. Er hat nur einen Blick auf
mich geworfen und ich erstarrte wie ein Stein. Ich konnte nur eines tun, im Stillen
innig beten. Und der Kater hat dem Sekretär Dominik befohlen die Hexe zu
entfesseln, dann haben sie sich alle drei einfach in Luft aufgelöst!
Der Säufer
Dominik wurde schnell gefunden, er schlief in seiner Zelle mit einem leeren
Weinkrug unter seinem Arm. Und auch wenn sein Schicksaal vorausbestimmt war,
was war mit Juan zu tun? Davon hatte der Vorsteher keine Ahnung. Exekutieren,
bevor die unerwartete Inspektion da wäre?
Oder abwarten, bis die Heilige Inquisition sich selbständig zurechtfindet? Der Vorsteher
würde seinen linken kleinen Finger opfern, um die ganze Sache zu vertuschen.
Und Pater Juan gab ihm seine hilfreiche Bruderhand:
- Bitte, lass
mich diesen Missstand sühnen. Wenn es des Teufels Handlanger so leicht gelungen
ist hierher zu kommen, nun also dann war ich nicht fest genug in meinem Gebet.
Lass mich mich vom Kloster zurückziehen und als Eremit durch Gebet, Buße und
Fasten Gottes Gnade verdienen.
***
Etwas später ging
Pater Juan durch das Klostertor hinaus und begab sich forschen Schrittes durch die
Felder nach Osten. An seiner Schulter baumelte ein praller Wandersack. Einem
jungen Novizen, der untätig am Tor stand, leuchtete die Sonne gerade in die
Augen. Vielleicht deswegen schien es dem Jungen, dass der Sack sich bewegte.
Als die Gestalt des Heiligen Vaters ganz klein wurde und zwischen den grünen
Feldern fast verloren ging, streckte sich eine Pfote aus dem Sack heraus und bohrte
fünf spitze Krallen in Juans Rücken . Der Mönch schauderte und sprach zu seinem
Sack:
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